#meinerstermarathon - ich habe gefinished in 3:13:01h

 

 

 

 

Ich kann meine Emotionen und Gedanken grad noch gar nicht in Worte fassen. So überwältigt bin ich. Vom Marathon, vom Finish, von der Zeit, der Unterstützung.

 

 

Lest hier wie es mir vorher, währenddessen und danach erging.


 

 

 

Leute, wenn ich diesen Blogpost anfangen will, schwirrt mir so viel durch den Kopf, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll.

 

Am Liebsten würde ich sofort beim Finish anfangen, aber die 3:00h davor sind auch so erzählenswert.

Und die ganze Vorbereitung.

Und alles drumherum.

 

 

Fangen wir von vorn an oder von hinten?

 

Von vorn.

 

Okay, es ist Juni. Juni 2016. Irgendwie bin ich zu dieser Zeit wieder ab und an mal gerannt, 2 mal die Woche. Easy going. Nur so wie ich Lust hatte. Dann wurde ich mal bei einem Training gefragt ob ich nicht Lust hätte, diesen Herbst einen Halbmarathon zu rennen.

Ok, warum eigentlich nicht? Angemeldet und angefangen zu trainieren.

 

2 Wochen später bin ich im Training 21,1km gerannt – Halbmarathon.

 

Wer mich kennt, der weiß, der Reiz des Halbmarathons war von da an weg.

 

 

Kurze Zeit später bekam ich einen Anruf von ASICS, ob ich nicht Lust hätte die Kampagne #meinerstermarathon mit ihnen zu machen.

 

Ok.. und was muss ich dafür tun?

 

„Marathon laufen, am 30.10. in Frankfurt“

 

Uff. Das saß.

 

„Wir stellen dir einen Coach, wöchentliche Trainingspläne, mach dir keine Gedanken, du kannst doch viel trainieren, das wird super.“

 

Puuh. 

 

„Plane schonmal Laufumfänge von ca. 80km pro Woche ein.“

 

What??  Kann ich 2-3 Tage nachdenken? Ich muss doch Examen schreiben...

 

Naja, aus 2-3 Tagen wurden 2-3 Stunden und noch am Abend schrieb ich ASICS.

 

Ich machs.

 

 

 

Was waren meine Gedanken?

Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

 

 

Am Tag darauf telefonierte ich bereits mit Tobi, meinem zukünftigen Coach von TRICAMP. Wir besprachen meinen aktuellen Leistungsstand und wie das Training ausschauen sollte.

 

Das Ziel?

Ankommen und alles um die 3:30h als Zielzeit wäre schön.

 

Von jetzt an (Anfang Juli) begann also die unmittelbare Vorbereitung auf den 30.10.

Es sollten 13 Wochen voller Training werden und die wurden es.

 

Wir wechselten drei Belastungswochen mit einer Entlastungswoche ab und standen in ständigen Kontakt.

Ich versuchte alle Pläne bestmöglich umzusetzen, trainierte hart, zweifelte aber feierte auch kleine Zwischenerfolge mit Tobi.

Die Zielzeit von 3:30h bestätigte sich und wir fingen langsam an, diese nach unten (schneller) zu korrigieren.

 

Ich absolvierte viele Läufe allein, einige mit Jonas, einige mit ein paar anderen Läufern, die schnellen Intervalle lief ich alle auf dem Laufband.

 

Die vorletzte Woche vor dem Marathon sollte die Härteste werden.

Ich war kurz vorher noch krank, konnte knapp 6 Tage nicht trainieren und hatte wirklich schon Zweifel, was das werden würde in Frankfurt.

 

Wir kamen am 16.10. aus unserem Wellnesswochenende im Naturhotel wieder und am 17.10. hielt ich meinen Plan für Woche 12 in den Händen.

 

Und ich wollte einfach nur noch Weinen.

Ich hatte Angst.

Angst vor was? Vor den 3 Schlüsseleinheiten diese Woche, Angst vorm Marathon, Angst es nicht zu schaffen.

 

Tobi machte mir Mut, trat mir richtig in den Arsch, pushte mich und los ging es in die letzte anstrengende Woche.

 

Dienstag 18.10.:

 

  • Auf dem Plan:  4x2000m in pace 3:50min/km 
  • Erledigt: 4x2000m in pace 3:50/km auf dem Laufband

 

Donnerstag 20.10.:

 

  • Auf dem Plan: 20x400 in 1:25min-1:35min
  • Erledigt: 20x400 progressiv von 1:35 angefangen bis auf 1:25

 

Check... nur noch eine Einheit überstehen.

 

Samstag 22.10.:

 

  • Auf dem Plan: Testlauf 25km in Marathontempo = pace 4:35min/km
  • Erledigt: Testlauf 25km in pace 4:32min/km

 

Puuuuh. Auch wenn ich es bei dem Testlauf, trotz Fahrradbegleitung von Papi, keinen Meter weiter geschafft hätte. Ich bin durch.

Durch, durch die anstrengenden Teile der Vorbereitung.

Die restliche Woche standen nur ergänzende Einheiten an und die kommende Woche voll im Sinne des Taperings.

 

 

RACEWEEK

 

Nur noch 4 mal laufen, nur eine Intervalleinheit im gemächlichen Tempo, der Rest locker. Kraft sammeln, fokussieren, Sonntag Marathon laufen.

 

Meine Ernährung gestaltete ich in dieser Woche im Sinne der Glykogensuperkompensation. Und auch das sollte sich Sonntag auszahlen.

 

 

Freitag, 28.10.

 

Jonas und ich gingen morgens gemeinsam noch eine Runde laufen, um anschließend den Flieger nach Frankfurt zu nehmen.

 

Angekommen in Frankfurt, gingen wir direkt zu unserem Hotel, dem WESTIN GRAND FRANKFURT, welches nicht nur unmittelbar zentral, sondern auch noch direkt an der Marathonstrecke lag.

Aufgrund einer sehr herzlichen Kooperation hatten wir die Möglichkeit, die Tage im Rahmen des Frankfurt Marathons hier zu verbringen und waren so nicht nur unmittelbar am Ort des Geschehens sondern auch wunderbar ausgeruht und durch das leckere Essen gut gestärkt für alle anstehenden Aufgaben.

Nach dem Check-In gingen wir auf unser Zimmer, fanden nicht nur ein riesiges kuschliges Bett, sondern auch noch eine kleine Auswahl an Nüssen und Trockenfrüchten vor. Perfekt für ein hungriges Sportlerherz, oder auch zwei :)

Wir hätten die drei Tage rund um den Marathon wirklich nicht angenehmer verbringen können.

Ein guter Fitnessraum, Pool und Sauna laden zum Entspannen ein und falls jemand sein Gym-Equipment vergessen hat, so kann man sich hier nagelneues Equipment von Westin ausleihen. Super Sache!

 

 

Samstag, 29.10.

 

Frühstück! Ich liebe Hotelfrühstück. Alles was du möchtest steht vor dir, ohne, dass du es zubereiten musst. Geht es besser?

 

Gut gestärkt ging es dann zu einem Meeting mit ASICS. Es ist immer wieder tolle, alle Frontrunner, Squaddies und sonstige Beteiligten wieder zu sehen.

Wir bekamen  unsere neue Ausrüstung, trafen Jan Frodeno, machten Fotos und unterhielt uns gut.

Anschließend schlenderte ich mit Jonas über die Marathonmesse, wir besuchten ein paar Leute, tranken Kaffee in der Sonne, legten die Beine hoch und aßen viele Carbs.

 

Heute gingen wir früh schlafen, denn trotz Zeitumstellung mussten wir, oder, musste ich, Sonntag ja früh raus.

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 30.10. THIS IS YOUR DAY – FRANKFURT MARATHON.

 

Scheiße war ich aufgeregt. Ok gestern auch schon. Aber heute noch mehr.

 

10.00 Uhr Start. Ich rechne immer zurück...

 

9.00Uhr Treffen mit ASICS...

8.30Uhr am Hotel los gehen.

7.30Uhr Frühstück.

7.00Uhr aufstehen.

6.50Uhr Wecker.

 

Also, 6.50Uhr klingelte der Wecker.

 

Anziehen, frisch machen, Frühstücken. Heute gab es nur noch Kaffee und Brot mit Honig.

 

Wir gingen los, trafen uns mit den anderen Läufern und Menschen vom ASICS Team in der Festhalle, sortierten uns und gingen zum Start. Mein Plan war es, so lang wie möglich mit Juli (@juliane.i) zu laufen, sie peilte auch ca. 3:20h an. 

 

Im Startblock 2 starteten wir also und liefen 10.04Uhr über die Startmatte. 

 

Los ging es.

 

Dier ersten 10km schön in Schleifen durch Frankfurt und im Slalom durch die ganzen Menschen.

 

1.     Wo kommen die alle her?

2.     Warum stehen so viele Leute, die eigentlich gar nicht so schnell sind, hier vorn?

 

Einige Kilometer standen so also erstmal im Zeichen des Überholens. Man wurde geschuppt, beschimpft und Juli wurde sogar ihr Schuh abgetreten, so dass sie anhalten und ihn am Boden zwischen tausenden Beinen herausfischen musste.

Schade, dass es hier so zugeht, zumal alle, die in diesem Block starteten, weder um Weltrekord noch Sieg liefen. Naja. Man kann ja nur lernen.

 

Trotz allem gingen wir konstant in einer pace von 4:30min/km an. Relativ schnell wenn man bedenkt, dass man für folgende Zielzeiten folgende pace laufen müsste.

 

-       Zielzeit 3:30h ist eine pace von 5:00min/km

-       Zielzeit 3:20h ist eine pace von 4:44min/km

-       Zielzeit 3:15h ist eine pace von 4:37min/km

 

Wir liefen also auf Kurs 3:10 Stunden (Finish) .... Ok. 

 

Viele fragten mich danach, ob ich wusste was ich tat. Sie verfolgten den Live-Ticker, der alle 5km über die Zwischenzeiten informiert und fragten sich, wann ich denn langsamer werden würde.

 

Die Antwort: ich lief einfach. Meine Beine waren gut und ich nutzte es aus.

 

10km in 45:13min

 

Leider musste Juli mich zwischen 10-15km ziehen lassen. Sie konnte die pace heute nicht laufen. Das ist Marathon. Man weiß vorher nicht was kommt. Aber ich bin mir sicher, im nächsten Rennen kann sie es.

 

15km in 1:07:36h

 

Jetzt freute ich mich auf Jonas und Alex, denn ich wusste, dass die beiden an KM 20 warten würden.

 

20km in 1:30:03h

 

Und ich sah sie. Ein absoluter Lichtblick. Jonas begleitete mich ein paar Schritte, gab mir ein Energy-Gel und sagte mir, dass meine Eltern bei KM 24 stehen würden.

 

Halbmarathon: 1:34:58h

 

KM 24: Mama und Papa. So schön. Sie sind extra gekommen um mich anzufeuern und das machte mich so stolz und glücklich. Ich feierte innerlich total und freute mich ohne Ende.

Ich lief weiter mit einer pace von 4:30min/km.

 

25km in 1:52:37h

 

Bei KM 29 sah ich nochmal meine Eltern, jetzt ging es mir allerdings schon etwas schlechter. Die Beine wurden schwer.

 

30km in 2:15:25h

 

KM 32: nochmal Jonas und Alex. Jetzt ging es mir immer bescheidener. Ich hatte nicht mehr viel zu sagen. Eine Wasserstelle verpasst, bekam ich jetzt von Jonas Wasser und Gels. Und lief weiter.

 

„Los Schatz, nur noch 10km, so viel wie wir letzten Sonntag zusammen gelaufen sind. Das schaffst du.“

 

Worte, die in solchen Momenten Gold wert sind.

 

Die pace wurde langsamer, die Beine schwerer.

 

Denis von @runskills begleitete mich ein paar Kilometer, feuerte mich an, brachte mir Wasser und lief vor mir im Wind. Danke Denis, dass du da warst und mir auf Aufforderung auch noch gesagt hast, dass es allen genauso schlecht geht wie mir. 

 

Denn ich sagte bei KM34 zu Denis: „Bitte sag mir, dass es allen so sch.... geht!!!“

 

Es ging mir echt nicht mehr gut. Ich zählte rückwärts. Erst Kilometer, dann Meter.

 

35 km in 2:38:40h – nur noch 7km to go.

 

Ich wurde langsamer. Auch die vielen Menschen konnten das nicht verhindern. Das Publikum feuerte alle an. 

Sie trugen uns die letzten KM durch Frankfurt. Aber dennoch war ich mit meinen Gedanken nur noch im Ziel.

Ich rief mir in Erinnerung, wie viel ich die letzten Wochen geleistet habe, wie oft ich im Training geflucht habe und dass sich das alles auszahlen muss und ich deshalb ins Ziel laufen werde. 

 

Bloß nicht anhalten.

 

„Mary lauf! Das schaffst du!“

 

 

Unbekannte Stimmen. Rufe, die dich pushen, die dich erinnern nicht aufzugeben.

 

Augen zu und durch. 

 

Jetzt ist es Kopfsache.

 

KM 38- nur noch 4 km. "So viel laufe ich mich sonst vor Intervallen ein. Pipikram."  Sonst, aber nicht heute.

 

KM 38,5 – es wurde nicht weniger.

 

KM 39 – es wurde nicht weniger und ich wurde langsamer.

 

KM 40 – oh gott, nur noch zwei KM, dann bist du im Ziel. Reiß. Dich. Zusammen.

 

 

Ich nahm nochmal meine Beine in die Hand (so gut das noch ging). Die letzten Kilomter.

 

Gleich bin ich im Ziel. Gleich finishe ich meinen ersten Marathon. 

 

Wo ist der Messeturm? Dort ist das Ziel. Ich hielt Ausschau. Ich schaute die Leute am Streckenrand an. 

 

Ich fing an mit Weinen. 

 

So viele Menschen auf den letzten Metern, alle schrien und riefen. Die Leute von ASICS, die anderen Läufer, welch ein schönes Gefühl.

 

Und dann war sie da: die Festhalle. Zieleinlauf. Zieleinlauf Frankfurt Marathon nach 3:13:01h.

 

Wow, ich war geflasht. Ich sank zu Boden. Weinte und freute mich. Dass ich es geschafft habe und, dass ich solch eine gute Zeit lief. 

Soo sehr kann ich nun doch nicht eingebrochen sein, dachte ich.

 

Wo ist Jonas? Wo sind meine Eltern?

 

Ab in die schönsten sechs Arme dieser Welt und weiter weinen. Emotionen teilen, Freude teilen.

 

Es ist vorbei. Der Marathon ist geschafft!

 

Jetzt aber erstmal warm anziehen, trinken. Hunger hatte ich kaum. Eher war mir schlecht vor Erschöpfung. Ich hatte Bauchweh, Kopfweh, war müde und meine Beine taten weh. Das hat dann auch 4h, eine warme Dusche und ein paar heiße Kaffee´s gedauert bis es sich wieder eingependelt hat.

 

Die Medaille hängt über dem Fernseher, wir liegen im Bett im WESTIN GRANDE FRANKFURT. In den Bademantel gekuschelt, döse ich so vor mich hin. Checke die Social Media News. Poste auf Instagram, freue mich über eure Glückwünsche und Jonas checkt unsere Flüge nach Florida für den kommenden Tag ab.

 

Später gehen wir noch auf eine ASICS Party, sehen hunderte glückliche Gesichter. Marathon-Finisher, Bestzeiten-Läufer, Staffel-Runner. Alles Menschen die eines verbindet, die Liebe zum Sport. Die Liebe zum Laufen. Hier ist es egal ob du in 2:20h den Marathon gewinnst oder bei der Staffel nur die kürzeste Distanz rennst.

 

Alle verstehen sich, alle freuen sich, alle feiern sich. 

 

Mit etwas gutem Sushi verabschieden wir dieses ereignisreiche Wochenende.

 

Mich führt es ein wenig zu meinen Wurzeln im Ausdauersport zurück, ich habe die letzten 13 Wochen hart dafür gearbeitet um wieder auf ein gutes Laufniveau zu kommen.

 

 

Es hat geklappt, der Plan ging auf.

 

Vergesst nie: Just wanting it isn´t enough.

 

#WANTITMORE

 

Danke an Jonas für die ständige Unterstützung, an meine Familie für alles. Das ist nicht in Worte zufassen, was ich mit diesen Menschen für ein Glück habe.

Meinen Freunden fürs Anfeuern. 

 

An TRICAMP für die tolle Vorbereitung.

 

An Westin Grande Frankfurt für den entspanntesten Aufenthalt.

 

An ASICS für dieses Erlebnis und die beste Ausrüstung auf Erden. 

 

An SZIOLS für die beste Eyewear und an MYPROTEIN® für die beste Race-Verpflegung.

 

Und an euch, alle die regelmäßig meine Kanäle verfolgen, Bilder liken, kommentieren und mir Nachrichten schicken. Nicht nur ich motiviere euch, sondern ihr motiviert mich.

 

 

 

Setzt euch Ziele, verfolgt sie, hakt sie ab.

 

 

 

 

 

Don´t run, FLY!