Adé St. Moritz – ein Rückblick auf mein erstes PJ Tertial

 

 

Leute, wie die Zeit rast. Das glaubt ihr nicht.

 

Eigentlich hab ich doch grad erst angefangen zu studieren.

 

Jetzt bin ich schon im PJ.

 

Jetzt ist mein erstes PJ Tetial schon vorbei.

 

Wie es mir in St. Moritz in der Schweiz erging möchte ich euch hier erzählen.


 

 

St. Moritz.. ach das Dorf wo die Schönen und Reichen urlauben. Wo es Champagner als Apres-Ski gibt statt Glühwein.

Dort wo du dir einfach nichts leisten kannst. Viel Spaß.

 

Vor 3 Jahren bin ich das erste Mal in St. Moritz gewesen und habe mich auf Anhieb verliebt.

Ein kleines aber feines Örtchen mitten in den Bergen, eingebettet in 4oooer Gipfel auf einer Höhe von 1850 überm dem Meeresspiegel.

 

Damals im Urlaub habe ich ein Werbeplakate der KlinikGut entdeckt. Der Slogan:

 

Wetter schön. Tempo hoch. Klinik Gut.

 

Anschliessend habe ich die wildesten Recherchen angestellt und wusste: hier willst du her.

 

Zwei Monate später war ich im Sommer 2014 das erste Mal hier, zur Famulatur,  und es hat mir so gut gefallen, dass ich mich umgehend wieder für mein PJ hier beworben habe.

 

Der Bewerbungsprozess ist ganz einfach und es gibt alle Infos dazu auf der Klinik-Homepage, wenn es euch interessiert, macht euch dort mal schlau.

Seit euch aber Gewiss, in der Schweiz müsst ihr 2 Jahre Vorlaufzeit einplanen. Die Stellen sind begehrt.

 

Nach meinem bestandenen Staatsexamen, einem Marathon und einem USA-Urlaub ging es für mich also am 20.11. nach St. Moritz in mein erstes PJ Tertial.

Da ich ja schon einmal hier war wusste ich was auf mich zukommt: ich kannte die Klinik, das Team, die Unterkunft und konnte somit ohne „Bammel vor Neuem“ sondern einfach nur mit purer Vorfreude anreisen.

 

Angekommen, war ich auch sofort wieder „voll drin“.  Schon während der 2 regulären Einarbeitungstage konnte ich schon wieder gut loslegen, Patienten visitieren, Patienten aufklären, im OP mit-operieren. Dies sind auch schon grob eure Aufgaben als PJ-Student in der Schweiz.

Ihr dürft viel mehr Verantwortung übernehmen als in Deutschland, ihr arbeitet den Assistenzärzten nicht nur zu, sondern arbeitet mit ihnen.

Vorausgesetzt ihr habt auch ein bisschen was auf dem Kasten. Für mich ein enorm großer Lerneffekt. Nicht nur habe ich spannende neue Fälle gelernt, sondern auch den Umgang und die Betreueung von Patienten von dem Eintritt in die Notaufnahme bis zum Fall-Abschluss nach teilweise 4-6 Wochen.

 

In der Klinik Gut hast du als PJ-Student 4 verschiedene Dienste:

 

-       T: Tagdienst. Hier beginnt dein Dienst um 7.30 Uhr mit der Visite mit dem leitenden Arzt auf Station. Während sonst nahezu keine Stationsarbeit ansteht, verbringst du hier am morgen die erste Stunde deines Arbeitstages. Ein paar Fragen wie es geht, wie das Prozedere ist und ein bisschen nettes Geplaudere, bevor du um 8.30Uhr mit der geplanten „Assistenten-Sprechstunde“ und parallel allen Notfällen in den Ta startest. Während die Sprechstunde mit termininierten Patienten voll ist, welche entweder zur Nachkontolle oder auch zur Erstvorstellung kommen, so läuft in der Notfallspur parallel alles das was akut ist und eben in die Notaufnahme kommt. Hier arrangierst du dich mit deinem zuständigen Assistenzarzt selbst, wer welchen Patienten anschaut und behandelt. Natürlich hast du als Student aber immer den „Assi“ oder auch einen Chefarzt im Background, der dir Feedback gibt. Dies ann teilweise ganz schön stressig werden, da vor allem im Winter ein Notfall nach dem anderen in die Klinik läuft. Die Skipiste endet quasi direkt vorm Haus und das erklärt auch schon das Hauptsächliche Behandlungsspektrum welches sich hier findet: Kreuzbänder, Brüche jeglicher Art, Meniskusriss etc. Zwischendrin musst du als Student dann noch die Patienten, welche zur OP an diesem Tag kommen „staten“, d.h. du klärst sie auf, erhebst einen körperlichen Status (Untersuchung) und führst die Anamnese durch. Meistens hast du gegen Mittag 30min Zeit um auf der Sonnenterrasse etwas zu Essen. Die Küche ist von bestem Niveau und mit absolut keiner Krankenhauskantine zu vergleichen und der Ausblick... Ohne Worte. Dein Dienst endet dann um 19.00Uhr.

 

-       N: Nachtdienst. Um 19.00Uhr kommst du zum Nachtdienst und übernimmst hier die Lage vom Tagdienst. Ab jetzt bist du zuständig für die Notaufnahme. Wenn nicht mehr viel los ist, geht dein zuständiger Assi auch nach Hause,bleibt aber immer in Rufbereitschaft für dich. Du bleibst allerdings in der Klinik. Alle Patienten die jetzt in die Klinik kommen, siehst du zuerst. Siehst du teilweise auch allein. Hier liegt eine enorme Verantwortung auf dir. Je nachdem wie du die Lage einschätzt, wird der weitere Ablauf sich gestalten. Meistens kannst du so gegen 23 Uhr ins Bett gehen, hierzu gibt es ein Büro mit einem Bett, wo du schlafen kannst. Kommen dann Patienten oder wirst du anderweitig gebraucht klingelt dein Telefon und du musst aufstehen. Ich mochte die Nachtdienste immer sehr gern, da du dann den nachfolgenden Tag frei hast und es nur wneig Nächte gab wo man wirklich komplett wach war und so den nächsten Tag schlafen musste. Um 7.30Uhr übergibst du wieder an den Tagdienst.

 

-       OP-Dienste: In der Klinik Gut gibt es zwei OP-Sääle, welche durch die Assis und Unterassis betreut werden müssen. Ein Assistent hat meistens 1.OP Dienst und muss somit als erstes kommen und darf erst als letztes Gehen. 2. Und 3. OP Dienst haben dann die Studenten. Während du als 2.OP Dienst, trotzdem im zweiten OP-Saal auch erste Assistenz bist (weil der 1. OP Dienst ja im 1. OP Saal ist), wirst du als 3. OP Dienst nur danngerufen wenn es OP´s gibt, wo man 2 Assistenzen braucht. Dies ist z.B. bei Prothesen oder auch bei schwereren Frakturen der Fall. OP Dienste laufen tagsüber sehr geregelt hab (im Gegensatz zum Tagdienst wo Notfälle immer wieder dazwischenkommen), können aber uch mal bis spät in die Nacht hinein gehen, da viele Unfälle am Nachmittag passieren und dann eben am Abend noch operiert werden. Je nachdem wie gut du dich hier anstellst darfst du von Teilschritten einer OP bishin zu kleinen OP´s auch einiges selbst machen und kannst auch so enorm profitieren.

 

Neben dem „vielen Arbeiten“ hat die Schweiz und insbesondere aber auch St. Moritz einen enorm hohen Freizeitwert. Wenn du sportlich aktiv bist, wirst du hier dein Erfüllung finden. So wie ich. Ich hatte kaum einen Tag ohne Sport (auser ich stande wirklich 15/16h im OP). Gym. Laufen. Bergsteigen. Skifahren. Hier geht alles. Und alles in Traumkulisse.

Wenn dieses Örtchen auch sonst eher etwas abgeschieden ist, an Aktivitäten mangelt es nicht.

 

Nicht zu unterschätzen ist ausserdem auch noch, dass du in der Schweiz, im Gegensatz zu deutschland, für dein PJ auch vergütet wirst. Es ist nicht die Welt, aber es ist besser als nichts.

 

Ab 12.03. geht es für mich dann in die Plastische Chirurgie ans Klinikum Rechts der Isar in München. Ich freue mich sehr auf die Zeit, möchte euch aber vorab noch ein paar Impressionen von St. Moritz zeigen.

 

Es freut mich, dass ihr reingelesen habt.

 

Eure Mary

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Alice (Montag, 12 Juni 2017 16:46)

    Hallo Mary,
    mich fasziniert seit längerem der Gedanke, Medizin zu studieren. Ich weiß, dass dazu ein Abitur-Schnitt von 1,0 bis schlechtestens 1,3 nötig ist. Meine Frage ist also: Wie hast du das Abitur so gut bestanden und welchen Schnitt hast du gehabt?
    Liebe Grüße
    Alice

  • #2

    Mely (Montag, 24 Juli 2017 11:12)

    Super interessanter Beitrag! Auch für mich als Nicht-Mediziner ein toller Einblick und die Fotos sind natürlich der Wahnsinn!