Blutwerte - was sollte man wie oft kontrollieren lassen

 

 

 

Heute spreche ich mit euch über ein Thema, welches mir sehr am Herzen liegt.

 

Neben regelmäßigen Vorsorgekontrollen halte ich jährliche Bluttests für sehr wichtig. 

 

Ich habe mir seit 3 Jahren zur Routine gesetzt, jedes Jahr im Januar bestimmte Blutwerte für mich kontrollieren zu lassen.

 

Da ich dieses Jahr im Januar leider im Ausland lebte, hat es sich ein bisschen in die Länge gezogen und jetzt hat es erst Anfang August geklappt.


 

 

 

 

Warum Blutwerte kontrollieren?

 

Auch ohne medizinische Indikation (Rechtfertigung) weiß ich gern darüber Bescheid wie mein Körper funktioniert, ob er alles hat was er braucht, ob ich gesund lebe, ihm Gutes tue. Deshalb lasse ich einmal jährlich alle großen Organsysteme checken und weiß mich so auf der sicheren Seite.

Viele Ärzte halten dies leider für unnötig und werden euch vermutlich abwimmeln wenn ihr mit diesem Anliegen zu ihnen geht. Versucht euch eine gute Begründung zu überlegen, warum ihr euer Blut gern kontrolliert haben würdet und greift notfalls für ein paar Euro selber in die Tasche. Es lohnt sich.

 

 

 

Was kontrollieren lassen?

 

  • Großes Blutbild: die ausführliche Form der Blutuntersuchung, setzt sich zusammen aus kleinem Blutbild und Differentialblutbild
  • kleines Blutbild: Basisform des Blutbildes, wird aus dem EDTA-Röhrchen bestimmt (kleines rotes Blutentnahme-Röhrchen)
    • Erythrozytenzahl = roten Blutkörperchen
    • Hämoglobinkonzentration = Parameter für die Diagnose von Blutarmut (Anämie)
    • Hämatokrit = beschreibt wie dick das Blut ist
    • Erythrozytenindices = genauere Beschreibung der roten Blutkörperchen hinsichtlich Größe, Volumen ...
    • Leukozyten = weißen Blutkörperchen
    • Thrombozyten = Blutplättchen
  • Differentialblutbild: erweiterte Form des Blutbildes, bei der die Leukozyten genauer bestimmt werden (EDTA-Blut)
    • neutrophile Granulozyten = Teil des unspezifischen, angeborenen Immunsystems
    • eosinophile Granulozyten = Teil des unspezifischen, zellulären Immunsystems
    • basophile Granulozyten = Teil des unspezifischen, zellulären Immunsystems
    • Lymphozyten = Abwehr von Fremdstoffen/Infektionserregern
    • Monozyten

 

  • Blutzuckerwerte:
  • Glucose venös: hierfür solltet ihr nüchtern sein, denn nur nüchtern lässt sich euer aktueller Blutzucker aussagekräftig evaluieren
    • kann Hinweis geben auf Diabetes, Insulinresistenz u.ä.
  • HbA1c: der Langzeitblutzuckerwert, welcher Aufschluss über den Blutzuckerverlauf in den letzten 3 Monaten gibt
    • Diabetes-Diagnostik, Diabetes-Einstellung

 

  • Elektrolyte:
  • Natrium: Wasserhaushalt
  • Kalium: Säure-Basen-Haushalt
  • Calcium: Knochensubstanz, Blutgerinnung, muskuläre Erregbarkeit

 

  • Leberwerte: 
  • GOT / ASAT : Glutamat-Oxalacetat-Transaminase
    • akuter schwerer Leberzellschaden
    • Herzinfarkt
  • GPT / ALAT: Glutamat-Pyruvat-Transaminase
    • akuter leichterer Leberzellschaden
  • y-GT: gamma-Glutamyll-Transferase
    • Leber-, Gallenwegserkrankungen
  • AP: alkalische Phosphatase
    • Parameter für Gallenstau
  • Bilirubin: Stoffwechselprodukt
    • Leberstoffwechselerkrankungen
    • Ikterus (Gelbsucht-Diagnostik)

 

  • Nierenwerte:
  • Kreatinin: Maß für die Nierenfunktion; abhängig von Muskelmasse, muskulärer Aktivität
  • GFR : Glomeruläre Filtrationsrate
    • beschreibt die Menge an Blutplasma, die pro Minute vom Kreatinin befreit wird
    • Maß für die Nierenfunktion
  • Fettstoffwechsel:
  • Cholesterin -Gesamt: Maß für die Gesamtblutfette
    • Arteriosklerose-Risiko
  • Triglyceride: Blutfette
    • Arteriosklerose - Risiko
  • HDL -Cholesterin: gutes Cholesterin ("Hab Dich Lieb") 
    • schützt unsere Gefäße, sollte somit eher hoch sein

 

  • Purinstoffwechsel: 
  • Harnsäure
    • Risiko für Gicht

 

  • Eisenstoffwechsel:
    • Eisen: aktuelles Eisen im Blut
      • Eisenmangel / Eisenüberladung
    • Ferritin: Speicher-Eisen

 

  • Schilddrüsenparameter:
  • TSH, basal: von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ausgeschüttet, regt die Schilddrüse zum arbeiten an
  • fT3 / fT4: freie Schilddrüsenhormone, geben Auskunft über unsere Stoffwechselaktivität
    • zu hoch: Schilddrüsenüberfunktion = guter Stoffwechsel, häufiges Schwitzen, aufgedreht sein, ungewollte Gewichsabnahme
    • zu niedrig: Schilddrüsenunterfunktion =schlechter Stoffwechsel, oft müde + abgeschlagen, ungewollte Gewichtszunahme

 

 

 

Wie geht man am Besten vor?

 

Ich würde euch empfehlen, euch zuerst einen guten (!) niedergelassenen Allgemeinmediziner (Hausarzt) zu suchen, bei dem ihr euch gut aufgehoben und verstanden fühlt. Ich kann wirklich mit jedem Problem zu meinem Hausarzt gehen, egal ob akute Grippe, hormonelle Geschichten oder mal einem Attest für die Uni.

Ich bin bei Dr. Michael Rose in München und fühle mich dort sehr wohl. 

Ruft bei eurem Arzt an, fragt nach einem Termin und stellt euch anschließend in seiner Sprechstunde vor. 

Falls ihr Probleme / Symptome habt, dann beschreibt ihm diese und er wird euch Blutwerte empfehlen, die zu eurer Symptomatik passen. Möchtet ihr nur einen Routine-Check, dann sagt ihm dies so und bietet an, ggf Blutwerte die die Kasse nicht zahlt selbst zu tragen.

 

 

 

Was zahlt die Kasse?

 

Solltet ihr privat krankenversichert sein, so solltet ihr euch gar keine Gedanken machen müssen, was die Kasse zahlt und was nicht. Hier wird meist alles getragen.

Bei gesetzlich versicherten Personen muss es für jede Diagnostik eine rechtfertigende Indikation geben. Um Schilddrüsenparameter zu testen muss man einen V.a. auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung haben etc. Evaluiert dies gemeinsam mit eurem Arzt und ihr findet dafür sicher eine Lösung.

Bietet ggf an, Blutwerte selbst zu finanzieren, dies ist meist nicht teuer und lohnt sich.

 

 

 

Wie erfolgt die Auswertung?

 

Vereinbart nach der Blutentnahme erneut einen Termin bei eurem Arzt um die Blutwerte auszuwerten. Manchmal erfolgt dies auch telefonisch. Ich hole mir meine Blutwerte IMMER noch in ausgedruckter Form ab und hefte sie zu Haus ein. So hab ich zum einen einen guten Überblick über die letzten Jahre, zum anderen werte ich mein Blutbild fast immer allein aus und hab es somit einfach genau vor mir liegen.

 

 

 

Was ist wenn etwas nicht stimmt?

 

Auch hier solltest du dann am Besten mit deinem Arzt sprechen, er wird dir bei jeder Auffälligkeit helfen.

 

 

 

Was ist, wenn mein Arzt mich abwimmeln möchte und mir sagt, dass dies unnötig sei?

 

Mache dich darauf gefasst, dass dies ggf vorkommen wird. Bleibe hartnäckig und respektvoll und sage, du hättest das dennoch gern kontrolliert. Fühlst du dich nicht gut aufgehoben/verstanden, dann wechsele den Arzt.

 

 

 

Falls du noch genauere Fragen hast, dann freue ich mich über dein Kommentar. Auch wenn es Anregungen zu kommenden medizinischen Blogposts gibt oder du deine Erfahrung mit uns teilen möchtest.

 

Ich möchte abschließend noch betonen, dass dieser Artikel ausschließlich auf meiner EIGENEN Meinung verfasst wurde und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

 

Alles Liebe, deine Mary.

 

 

 


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Kommentare: 7
  • #1

    Malte (Donnerstag, 10 August 2017 14:27)

    Wow! Klasse Blogpost! Gut geschrieben und einfach erklärt !

  • #2

    Cathy (Donnerstag, 10 August 2017 16:13)

    Ab 35 (bei manchen auch früher) übernimmt auch die Kasse jährlich oder alle zwei Jahre ein Check Up, das wissen viele auch nicht :)

  • #3

    Dr. Köhler (Donnerstag, 10 August 2017 19:58)

    Zur Beurteilung des Eisenstoffwechsel besser geeignet als Eisen an sich sind Transferrin und die Transferrinsättigung. Außerdem Ferritin als Akute-Phase-Protein mit dem CRP-Spiegel bestimmen, da es im Rahmen von Infekten auch falsch hoch sein kann.

    Neben dem Gesamt-Cholesterin auch den LDL-Spiegel bestimmen lassen.

  • #4

    CT (Donnerstag, 10 August 2017 23:55)

    Also tut mir leid, ich hab mir den Beitrag durchgelesen und leider ist er doch relativ unzureichend geschrieben. Prinzipiell ist es bei jungen Menschen erst dann sinnvoll Blutwerte zu kontrollieren, wenn man klinisch auffällig wird. Das heißt eine klinische Untersuchung sollte immer VOR irgendwelchen Blutentnahmen erfolgen. Der Arzt legt dann die Werte fest, welche kontrolliert werden, anhand Anamnese und klinischer Untersuchung in der Zusammenschau. Beispielsweise korreliert ein erhöhter Harnsäurewert nicht mit den Symptomen einer Gicht und man behandelt weder Laborparameter noch Röntgen- oder andere Bildgebungsbefunde sondern die Menschen, die mit diesen aufgrund von Beschwerden zum Arzt gehen. Man sollte sich gesund fühlen, sich bewegen, so ernähren, dass man sich wohl fühlt und erst dann einen Arzt aufsuchen, wenn man Beschwerden hat oder zu Zwecken der Vorsorge sofern dies sinnvoll ist (Alter, individuelles Risiko etc). Ständige Kontrollen der Blutwerte sind sinnlos, einzig ein HIV Test in regelmäßigem Abstand und analog zum eigenen Risikoprofil ist sowohl kostentechnisch als auch medizisnisch sinnvoll. Alles andere nicht und es beinhaltet zudem eine gewisse Fixierung auf Probleme, die keine sind. Habt Vertrauen in den Körper, die Natur hat sich was dabei gedacht und er funktioniert ziemlich gut ohne Ruhm ständig zu kontrollieren, wenn man auf ihn achtet. Ist schließlich kein VW Diesel.

  • #5

    alexa (Samstag, 12 August 2017 10:39)

    Hi Mary, du kannst auch Vitamin B 12, Folsäure, Vitamin D jhrl kontrollieren lassen, bietet sich v.a. für Vegetarier und Menschen an, die sich einseitig ernähren. Was Du persönlich nicht tust. I know. Und Vit D für alle mit indoor jobs. Also fast alle. Schönen Urlaub in Montpellier.

  • #6

    Julia (Montag, 14 August 2017 17:11)

    Ich halte von dieser systematischen Blutuntersuchung, obwohl keine Symptome vorliegen, auch gar nichts. Es kommt darauf an, wie man sich FÜHLT und nicht, wie hoch ein Laborparameter ist. Klar merkt man nicht gleich, wenn man eine gewisse Zeit mit einem BZ von 200 durch die Gegend rennt, aber sofern man keine Risikofaktoren hat (und damit meine ich nicht Stress, was jeder hat, sondern wirklich drastisches Übergewicht bspw.), ist davon ja auch nicht auszugehen. Wie der eine User oben schon sagte - man behandelt nicht den Labortwert, sondern den Menschen. Man sollte lieber wieder erlernen in sich hineinzuhorchen, ob alles gut ist im Körper. In meinen Augen ist das eine unnötige Pathologisierung und es würde mich nicht wundern, wenn man DAVON krank wird.

  • #7

    Selina (Samstag, 19 August 2017 16:33)

    Danke für diesen informativen Blogpost! Sehr verständlich und kompakt geschrieben.
    Vielleicht kannst du in einem neuen Blogpost die optimalen Werte der einzelen Parameter kurz zusammenfassen.